1974 - 2024 - 50 Jahre Partnerschaft Heddesheim – Nogent-le-Roi


- Fortsetzung -

Im Jahre 8 (1790) üben in Boullay-Thierry zwei Personen die „Natürliche Religion" aus. Diese Anhänger des Glaubens, der auch theophilantron genannt wird, sind gegen das „eifrige Kirchgängertum" der Katholiken. Während der konsularischen Regierung (1799-1804) versucht man, das Wachstum und die Ausbreitung der Räubertruppen, wie die berüchtigte Bande von Orgeres (40 km südöstlich von Chartres) zu hemmen.

Es wurden Anordnungen erteilt, wie zum Beispiel das Verbot, zum Gottesdienst zu gehen, da man im vergangenen Jahr festgestellt habe, dass die Überfälle und Diebstähle just zu diesem Zeitpunkt begangen wurden.

Man versucht auch, gegen die Krankheiten zu kämpfen, vor allem die Tollwut, die die Bevölkerung in Schrecken versetzt. Sobald sich die Neuigkeit verbreitet, dass ein tollwütiges Tier in der Region gesichtet wurde, wird ein jeder von Panik ergriffen. Jeder Hund, der auf den Straßen und Plätzen der Gemeinden ohne das Holzerkennungstäfelchen seines Besitzers angetroffen wird, wird an Ort und Stelle getötet.

Schloss_von_Nogent-le-Roi

Schloss von Nogent-le-Roi

1814 - Ludwig XVIII. baut das Königreich wieder auf - gibt der Marquis de Boquestant, der gleichzeitig Bürgermeister von Boullay-Thierry und Landtagspräsident ist, seine Anweisungen an die Präfekten, Unterpräfekten und Bürgermeister.

Nach Waterloo wurde unser Landkreis durch die Preußen besetzt.

Eine Kommission beschlagnahmt die Futtermittel, eine andere zwingt die Einwohner zur Abgabe von Tabak, Wein, Fleisch und Schnaps, eine dritte kümmert sich um die Unterbringung der Truppen. Heute noch sagt man, wenn man eine gute Flasche öffnet: „Noch eine, die die Preußen nicht bekommen werden!"

1827 tötet ein Einwohner von Neron eine Wölfin. Das Aussterben dieser Tiere ist also noch gar nicht so lange her.

Karl X., letzter König von Bourbon in Frankreich, hat das Land 1839 verlassen, vertrieben durch die Revolution. Der Weg ins Exil hat ihn über Maintenon nach Nogent-le-Roi geführt, wo ein Wagenrad einer seiner Kutschen repariert werden musste.

Einige Bürger von Nogent nutzten die missliche Lage der Emigranten um Papiergeld gegen Goldmünzen zum Wucherkurs zu tauschen. Der Besitzer des kleinen Schlosses von Tivoli überreichte dem König voller Stolz eine Schale Aprikosen. Die Leute machten sich über ihn lustig, indem sie ihn „Aprikosenbaron" nannten!

Ein Geistlicher von Faverolles unterhielt literarischen Briefwechsel mit Victor Hugo. Wegen seiner republikanischen Gesinnung wurde er versetzt, blieb aber in Kontakt mit seinem Amtsnachfolger, dem sein Silberbesteck gestohlen wurde.

Genau dieses Lokalereignis findet sich in einem Kapitel des bekannten Romans „Les Miserables" von Victor Hugo wieder, wo der entflohene Zwangsarbeiter Jean Valjean diese Gegenstände dem Bischof von Digne (Provence) stiehlt. Der Name Jean Valjean könnte von Cesar-Jean herrühren, der Hufschmied von Faverolles war und auch verbannt wurde.

Schloss_von_Boullay-Thierry

Schloss von Boullay-Thierry

Sehenswürdigkeiten:

Kirche Saint-Lubin aus dem 12. Jahrhundert mit Umbauten aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sehr bemerkenswerte Konstruktion, eine der Kapellen steht im Zusammenhang mit dem Schloss.

Das renovierte Schloss ist ein sehr imposantes und im Stil reines Beispiel aus der Zeit Ludwigs XIII. Das Schloss ist vom Ortsplatz durch ein Eisengitter und einen Hof getrennt, kann aber gut vom Platz aus eingesehen werden.

Dort wurde im Jahre 1784 Zoe Victoire Talon geboren, mehr bekannt unter ihrem Namen "Comtesse de Cayla", Geliebte von Ludwig XVIII.

Eine herrliche Allee führt zu dem schönen architektonischen Ensemble von Kirche und Schloss.

- Fortsetzung folgt –

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Gemeinde Heddesheim